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Übersichtsartikel: Objektive und praxisnahe Bewertung
der wissenschaftlichen Fakten
Pollenallergie: Allergisches Asthma
verhüten. Die sog. „Grastabletten“ eignen sich besonders für die
Behandlung jener Graspollen-Allergiker, die in der Vergangenheit nur
symptomatisch behandelt wurden. Diese oral anzuwendende spezifische
Immuntherapie in Tablettenform (SLIT) wirkt bei der in Deutschland
häufigsten Allergie - der Graspollen-Allergie - offenbar
ähnlich gut wie die bisher üblichen, subkutan zu verabreichenden
„Allergiespritzen“. Die neuartige Behandlungsmethode hat im
Vergleich mit der seit Jahrzehnten bewährten Standardtherapie (SIT) neben
der ähnlich guten Wirkung und der von Gesundheitsökonomen bestätigten
Kosteneffizienz noch den nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass das
Nebenwirkungs-Risiko sehr klein ist.
Durch die vor einigen Jahren
erfolgte Markt-Einführung der ersten Grastablette - der Hersteller prägte
den Begriff „Gräser-Impf-Tablette“ - ist erstmalig die Lösung eines
drängenden medizinischen Problems möglich geworden, an dem sich in der
Vergangenheit weltweit zahllose Allergologen die Zähne ausgebissen haben:
Obgleich die Mehrzahl der seit vielen Jahren epidemieartig zunehmenden
Asthma-Erkrankungen durch die Atemwege betreffende Allergien (u.a. Baum-
und Gräser-Pollen, bzw. Hausstaubmilben) verursacht wird (angeblich ca.
80%) , kommt die einzige an den Ursachen der Erkrankung ansetzende
Behandlungsmethode – die Rede ist von der spezifischen Immuntherapie
(SIT) – selbst in wohlhabenden Ländern viel zu selten zum Einsatz.
Experten vermuten, dass lediglich 10%
jener Patienten eine SIT durchführen lassen, die für diese ursächlich
wirkende Therapie in Frage kommen. Dies ist bei der Mehrzahl der Ärzte auf
die auf Missverständnissen und Vorurteilen basierende fehlende Akzeptanz
der Immuntherapie zurück zu führen. Und auch viele Allergiker
verzichten lieber auf die "Allergie-Spritzen" und ziehen - trotz des
relativ hohen Risikos im späteren Verlauf der Erkrankung an einem
allergischen Asthma zu erkranken - die nur symptomatisch wirkende
Arzneimittel-Therapie mit einem Antihistaminikum vor.
Die SIT – die
Weltgesundheitsorganisation (WHO) und viele Allergiker sprechen auch heute
noch einfach von „Allergiespritzen" oder "Allergieimpfung“ - hat bei
weltweit zwischen 200 und 300 Millionen Asthmakranken und den für
Deutschland geschätzten 20-25 Millionen Allergikern eine immens große
medizinische und ökonomische Bedeutung. In der Praxis werden die
Therapiechancen aber leider aus vielerlei Gründen zu selten genutzt. Von
den weit über 10 Millionen in Europa lebenden Graspollen-Allergikern
kommen beispielsweise derzeit nur zwischen 3 und 6% in den Genuss
einer spezifischen Immuntherapie.
Die Spezifische Immuntherapie
(SIT) könnte bei breiter Anwendung vermutlich bereits heute die meisten
allergisch bedingten Asthma-Erkrankungen verhindern
Die bisher
vorliegenden wissenschaftlichen Daten lassen vermuten, dass sich die
Mehrzahl der allergisch bedingten Asthma-Erkrankungen schon heute
verhindern ließe, wenn die spezifische Immuntherapie in all ihren
Spielarten bei der Mehrzahl der für die Behandlung in Frage kommenden
Patienten tatsächlich zum Einsatz käme. Doch dies ist oft nicht der Fall,
obgleich beispielsweise die deutschen Krankenkassen die Kosten einer
medizinisch indizierten spezifischen Immuntherapie voll übernehmen.
Ursache dieses nur schwer nachzuvollziehenden Versäumnisses ist wohl in
erster Linie die schlechte Akzeptanz der „Allergiespritzen“ bei Patienten
und auch bei einigen Ärzten. Viele Allergiker fürchten sich vor Spritzen,
oft ist ihnen allerdings auch der mit der SIT verbundene Zeitaufwand zu
groß, oder sie überschätzen gar das in den Medien gelegentlich übertrieben
dargestellte Risiko schwerer Therapie-Nebenwirkungen.
Selbstverständlich ist jeder Todesfall nach einem im Verlauf einer SIT
auftretenden anaphylaktischen Schock einer zu viel – andererseits
muss man die extrem selten zu beobachtenden schweren Therapiezwischenfälle
bei der Risikobewertung jenen Todesfällen gegenüber stellen, die
beispielsweise noch immer im Zusammenhang mit schweren Asthma-Anfällen zu
beklagen sind. Eines der erklärten Hauptziele einer spezifischen
Immuntherapie ist es nämlich, das Auftreten eines allergischen Asthma
möglichst zu verhindern. Besonders Patienten mit einer ausgewachsenen
„Spritzen-Phobie“ nehmen oft lieber das Risiko der Entwicklung eines
allergischen Asthmas in Kauf, wenn ihnen ihr Arzt eine sich über 3 Jahre
erstreckende Behandlung vorschlägt, die zahlreiche Injektionen
einschließt. Und schließlich zeigte sich bei einer unter 450 Betroffenen
durchgeführten Telefonumfrage, dass nur 37% der Befragten bekannt
war, dass die spezifische Immuntherapie – früher auch als
Hyposensibilisierung oder Desensibilisierung bezeichnet – überhaupt
verfügbar ist.
Symptomatische Behandlung der Allergien reicht
nicht aus
Für die meisten Allergiker
erschöpfen sich die Behandlungsmöglichkeiten ihres lästigen Leidens somit
aus subjektiver Sicht in der gelegentlichen Einnahme von rein
symptomatisch wirkenden Medikamenten – meist von Antihistaminika die die
Allergiesymptome unterdrücken. Doch diese Arzneimittel beeinflussen den
natürlichen Langzeit-Verlauf der allergischen Erkrankung nicht, so dass
bei vielen Allergikern früher oder später das Risiko eines sog.
„Etagenwechsels“ vom Nasen-Rachenraum hin zu den Bronchien besteht. Aus
dem bisher eher lästigen Bagatellleiden „Heuschnupfen“ -und allergisch
bedingten Bindhautreizungen an den Augen - wird dann ein potentiell
lebensbedrohliches allergisches Asthma. Außerdem haben die ausschließlich
symptomatisch wirkenden Medikamente selbst in ihren modernsten
Zubereitungen gelegentlich Nebenwirkungen, die die Lebensqualität mindern
können.
Die mittlerweile von mehreren Pharma-Unternehmen
angebotenen sog. "Grastabletten" eignen sich in idealer Weise für
jene Graspollen-Allergiker, die - aus welchem Grund auch immer -
bisher nicht mit den üblichen „Allergiespritzen“ behandelt wurden.
Die unter der Zunge - also oral - in
Form leicht löslicher Tabletten anzuwendende spezifische Immuntherapie
(SLIT) konnte in den vergangenen Jahren in zahlreichen
wissenschaftlichen Studien zeigen, dass sie - ähnlich der seit Jahrzehnten
bewährten Standardtherapie mit „Allergiespritzen“ - zuverlässig in der
Lage ist, die Allergie-Symptome und die Lebensqualität der Erkrankten
deutlich zu verbessern. Im Zuge dieser Therapie sinkt beispielsweise bei
Einnahme einer "Grastablette" auch die Menge der von den Allergikern
benötigten Begleit-Medikamente. In der sog. GT-08-Studie nahm der Bedarf
an Medikamenten im ersten Therapiejahr um 51% und im zweiten sogar um 73%
ab. Die Wirkung ist auch im zweiten und dritten Behandlungsjahr
nachweisbar.
Über 80% der befragten Patienten fühlten sich nach der
Behandlung mit einer Grastablette im Vergleich zum Vorjahr besser, bzw.
sogar viel besser. Der Unterschied zur mit einem Scheinmedikament
behandelten Kontrollgruppe war mit 49 Prozent statistisch überzeugend.
Nach allem was man bis heute über die oral anzuwendende
Tablette-Immuntherapie weiß, darf man wohl für die Zukunft davon ausgehen,
dass die Zahl der allergisch bedingten Asthma-Erkrankungen bei breiter
Anwendung der sublingualen spezifischen Immuntherapie (SLI) in
Tablettenform deutlich sinken wird. Erste konkrete Hinweise auf die
Richtigkeit dieser wissenschaftlich schlüssig begründeten These gibt es
bereits.
Das Sicherheitsprofil der verfügbaren
Grastabletten ist sehr gut
Das Sicherheitsprofil der
Grastabletten erwies sich in den bisher durchgeführten Studien generell
als gut. Ernste Therapie-Zwischenfälle traten entgegen der von Skeptikern
geäußerten Befürchtungen nicht auf und die gelegentlich bei der Einnahme
einer Grastablette beobachteten, lokal begrenzten Reizungen der
Mundschleimhaut verschwanden so schnell, dass die meisten
Studienteilnehmer die einmal begonnene Therapie nicht vorzeitig abbrachen.
So berichtete beispielsweise eine Forschergruppe der Universität
Aarhus, Dänemark, dass unter der Therapie mit einer Grastablette bzw.
einem Scheinmedikament (Placebo) in beiden Gruppen Nebenwirkungen
ähnlich selten beobachtet wurden. Die häufigste Nebenwirkung war ein
unangenehmes Jucken im Mund, das jeweils nach kurzer Zeit wieder
verschwand.
Die Autoren der dänischen Studie
betonten außerdem, dass zum Zeitpunkt der Untersuchung in 22 Studien zur
sublingualen Immuntherapie nicht ein einziger Fall einer gefährlichen,
den ganzen Körper betreffenden Nebenwirkung beschrieben wurde.
In einer anderen Untersuchung -die am
Allergie und Asthma Zentrum des Westend-Krankenhauses Berlin
durchgeführt wurde- stellten die Autoren fest, dass selbst bei
Höchstdosierung (1 Million Allergen-Einheiten im Gegensatz zu den 75.000
Einheiten die die zuerst eingeführte Grastablette enthält) nicht ein
einziger gefährlicher Zwischenfall beobachtet wurde. Keine der
registrierten Nebenwirkungen wiederholte sich im weiteren Verlauf der
jeweiligen Studie und kein Patient beendete die Untersuchung aufgrund von
Therapie-Nebenwirkungen vorzeitig.
Kritiker lehnen
Allergentabletten ab
Einige Kritiker der
„Grastabletten“ stellen sich trotz dieses guten Sicherheitsprofils auf
den Standpunkt, dass es neben der Anwendung der bewährten
Allergiespritzen keinen erkennbaren Bedarf für andere Therapieformen
gibt. Sie ignorieren damit die Tatsache, dass Patienten im deutschen
Gesundheitssystem generell nicht zu einer bestimmten Behandlung
gezwungen werden können. Dieses Prinzip der Selbstverantwortung und -
Bestimmung der Patienten kommt natürlich besonders dann zum
tragen, wenn die vom Patienten abgelehnte Therapie aus objektiver Sicht
Nachteile hat. Gerade dies ist aber bei den seit Jahrzehnten angewandten
"Allergiespritzen" durchaus der Fall.
Die Verträglichkeit dieser
subkutanen Injektionen ist nämlich nicht ganz so gut wie jene der
verfügbaren „Grastabletten“. Es kommt hinzu, dass es bei den
Allergiespritzen in seltenen Fällen tatsächlich zu lebensbedrohlichen
Therapie-Zwischenfällen kommen kann.
Es kann somit den Patienten nicht
verübelt werden, wenn sie eine Therapieform vorziehen, die nach dem
heutigen Kenntnisstand (2008) mit einem seh kleinen Nebenwirkungs-Risiko
behaftet ist. Und schließlich ist die bisher übliche Standard-SIT durch
die erforderlichen häufigen Arztbesuche zusätzlich so zeitaufwändig,
dass beruflich sehr engagierte Menschen praktisch nicht in der Lage
sind, die Therapie über mehrere Jahre sinnvoll durchzuführen. Es
sind also keineswegs nur „Spritzen-Neurotiker“ für die die subkutan
anzuwendende SIT praktisch kaum in Frage kommt.
Allergen-Tabletten können jenen Patienten verordnet werden, die die
Therapie mit „Allergie-Spritzen“ bisher abgelehnt haben.
Die
innovative Therapievariante einer "Grastablette“ erweitert somit die
Palette der für Millionen Graspollen-Allergiker verfügbaren Formen der
spezifischen Immuntherapie (SIT).
Allergie-Experten wie Professor
Ludger Klimek, Leiter des Zentrums für Rhinologie und
Allergologie, Wiesbaden, gehen aufgrund ihrer Erfahrungen mit
Allergikern von einer verbesserten Akzeptanz der Tabletten-Therapie von
Seiten der Allergiker aus. Diese im Vergleich zur herkömmlichen Therapie
mit „Allergie-Spritzen“ höhere Akzeptanz der Grastabletten ist somit die
entscheidende Antwort auf die seit der Zulassung der ersten Grastablette
(2006) im Raum stehende Frage der Kritiker, ob man diese neue und ihrer
Meinung nach zu teure Therapie überhaupt benötigt. Denn was nützt die
beste und preiswerteste Behandlung, wenn sie den Patienten nicht
wirklich zu Gute kommt?
Insofern kann Dr. Jörg Kleine-Tebbe
vom Westend-Krankenhaus, Berlin, nur zugestimmt werden wenn dieser
in der Zeitschrift „Allergy“ schreibt, dass durch die einfach
anzuwendende Impf-Tablette der Zugang der Patienten zur spezifischen
Immuntherapie wahrscheinlich verbessert werden kann.
Als die pharmakritische
Zeitschrift „Arznei-Telegramm“ im Zusammenhang mit der Einführung
der ersten Grastablette die bislang durchgeführten Therapie-Studien
aufgrund eines angeblich unzulänglichen Designs bemängelte, und die
Anwendung der Tablette daher nicht empfahl, ließen diese „Kritiker vom
grünen Tisch“ allerdings die grundsätzlichen Schwierigkeiten des
wissenschaftlichen Umgangs mit den Allergien bzw. mit der Behandlung von
Allergien außer Acht. Ebenso verkehrten sie die bisherigen Erkenntnisse
über das Sicherheitsprofil der Tabletten nahezu in ihr Gegenteil.
Während alle Autoren der bisher publizierten Studien übereinstimmend nur
Nebenwirkungen überwiegend leichter bis in seltenen Fällen mittlerer
Schwere beschrieben, die schnell vorübergingen, sich nicht wiederholten
und die Patienten kaum belasteten, spricht das "Arznei-Telegramm"
von zum Teil „bedrohlichen Nebenwirkungen“. Diese Einschätzung ist
so nicht nachzuvollziehen.
Recherchiert man nämlich in der
Wissenschafts-Datenbank MEDLINE nach dem Suchbegriff „grass
pollen allergen tablets“ so werden viele Studien
aufgelistet. Insgesamt gibt es zu diesem Thema längst mehr als
einhundert Studien. Schwere Sicherheitsbedenken sucht man in den
Auswertungen der Autoren vergeblich.
Nicht erwähnt
wurde im „Arznei Telegramm“ außerdem, dass die zwei Fälle in
denen Patienten im Rahmen einer Untersuchung eine subjektiv empfundene
„Verengung der oberen Atemwege“ angaben im Verlauf einer sog.
Dosisfindungsstudie beobachtet wurden – bei einer Dosierung von
375.000 Allergen-Einheiten. Sinn der Durchführung von
Dosisfindungsstudien ist es aber gerade herauszufinden, ab welcher
Dosierung das Nebenwirkungsrisiko des Medikaments als größer
einzuschätzen ist als der zu erwartende Therapienutzen. Es gibt daher
wohl kaum ein wirksames Medikament bei dem man nicht im Zuge der
schrittweisen Dosissteigerung mehr oder weniger gefährliche
Nebenwirkungen auslösen kann. Schwere und lebensbedrohliche
Nebenwirkungen könnte man theoretisch sogar im Zusammenhang mit einem
exzessiven Konsum von Wasser verursachen.
Allergie-Symptome werden von jedem Individuum unterschiedlich empfunden
und lassen sich kaum objektivieren und nur schwer reproduzierbar
statistisch auswerten
Hauptgrund für das gelegentlich im
Vergleich zu anderen medizinischen Disziplinen „unwissenschaftlich“
anmutende Studiendesign ist ansonsten der von den Allergieforschern
kaum, bzw. nicht zu beeinflussende Umstand, dass man die Symptome der
Allergien - die Datenbasis jeglicher Allergie-Forschung also – beim
besten Willen nicht als „harte Daten“ bezeichnen kann. Die Allergiker
leiden nämlich überwiegend unter Symptomen, die erst im Spätstadium der
Allergie – wenn sich bereits ein allergisches Asthma entwickelt hat –
durch reproduzierbare technisch zu objektivierende Messungen
beispielsweise von Atemwerten registriert werden können.
So
lange also „nur“ ein lästiger Heuschnupfen oder eine die Lebensqualität
mindernde Bindehautentzündung der Augen vorliegt, und so lange es um die
Verhinderung eines Asthma bronchiale geht, beruht die Allergie-Forschung
in erster Linie auf der gründlichen Befragung der betroffenen
Allergiker, bzw. auf deren eigener Einschätzung der Lebensqualität und
des Verbrauchs an Begleit-Medikamenten. Diese Faktoren sind aber
naturgemäß stark von der jeweiligen Persönlichkeit des individuellen
Patienten abhängig.
Einige Allergiker leben - wie andere
Menschen auch - nach dem Motto „ein Indianer kennt keinen Schmerz“ und
neigen so dazu ihre Beschwerden eher zu untertreiben. Sie verzichten
auch oft aufgrund ihrer Lebenseinstellung auf Medikamente jeder Art.
Andere Leidensgenossen klagen hingegen gerne und sehen in der Einnahme
möglichst teurer Medikamente, bzw. in häufigen Arztbesuchen eine
Aufwertung ihres Sozialstatus. Daher bleibt den Allergieforschern
letztendlich nur die Hoffnung, bei der Auswahl von Studienteilnehmern
eine gesunde Mischung unterschiedlicher Charaktere erreicht zu haben.
Ist der Kopf-an-Kopf-Vergleich zwischen subkutaner SIT
und Impf-Tablette überhaupt praktikabel und sinnvoll?
In
einer früheren Ausgabe hat auch die pharmakritische Publikumszeitschrift
„Gute Pillen – Schlechte Pillen“ die bisherigen Studien zur
Wirksamkeit der Grastabletten kritisiert und fordert einen
"Kopf-an-Kopf-Vergleich" zwischen der herkömmlichen Injektions-SIT und
der SLIT in Tablettenform.
Doch diese auf den ersten Blick
vernünftig anmutende Anregung macht aufgrund der vorhandenen
Rahmenbedingungen kaum Sinn und verrät wenig Sachkenntnis. Einmal
ist es - wie bereits gesagt - nicht möglich von den potentiellen
Studienteilnehmern vor Beginn der Untersuchung objektive und
reproduzierbare Einschlusskriterien zu erfassen. Es stehen -wie bereits
erwähnt -lediglich subjektive Meinungen der Patienten und deren Ärzten
zur Schwere der Allergiesymptome zur Verfügung. Daher lässt sich weder
vor noch nach einer Studie objektiv feststellen ob tatsächlich
Äpfel mit Äpfeln und Birnen mit Birnen verglichen wurden.
Außerdem sollte unbedingt
beachtet werden, dass die Grastabletten in erster Linie für jene
Graspollen-Allergiker in Frage kommen, die eine Injektionsbehandlung
nicht machen lassen. Für diese Patienten – wahrscheinlich sprechen
wir von mehr als 90% der für die Therapie in Frage kommenden Allergiker
– würde es also ohnehin keine Rolle spielen, wenn sich die
Allergie-Spritzen den Allergen-Tabletten als überlegen erweisen würden.
Dies würde den Widerwillen der Patienten gegen Spritzen jeder Art
keineswegs abschwächen. Für diese Patienten stellt sich die Frage
„Impf-Tabletten" oder "Allergie-Spritzen“ überhaupt nicht. Sie nehmen
entweder die "Impf-Tabletten" oder behandeln ihre Allergie weiter nur
symptomatisch - bzw. überhaupt nicht.
Auch
objektive Laboruntersuchungen helfen im Fall von Allergien kaum
weiter
Leider helfen auch die von
Kritikern gerne ins Spiel gebrachten Laboruntersuchungen nicht wirklich
bei der Objektivierung der Stärke von Allergie-Beschwerden, oder bei der
prognostischen Risikoabschätzung weiter. Bis heute ist es nämlich nicht
gelungen einen ursächlichen und reproduzierbaren Zusammenhang zwischen
bestimmten Laborwerten und der Stärke individueller Symptome, bzw. dem
individuellen Leidensdruck der Patienten nachzuweisen. Man kann auch
nicht voraussagen wer im weiteren verlauf der Allergie ein allergisches
Asthma entwickeln wird und wer nicht.
Es leben also Allergiker
mit hochauffälligen Laborbefunden und geringfügigen Symptomen neben
Kranken, die sich trotz unauffälliger Laborwerte subjektiv schwer krank
fühlen. Die Allergologen müssen daher bei ihren Einschätzungen der
Schwere einer Allergie, bzw. eines Krankheitsverlaufs, immer bedenken,
dass sie keine Laborwerte behandeln, sondern Menschen mit sehr
unterschiedlich ausgeprägter Leidensfähigkeit.
Wirtschaftlichkeit der
Impf-Tablette ist gut belegt
Da einige der bisher zusammen
getragenen wissenschaftlichen Daten vermuten lassen, dass die Wirkung
der oral in Tablettenform angewandten Immuntherapie (SLIT)
möglicherweise schwächer ausfällt als jene der herkömmlichen
Allergiespritzen (SCIT), behaupteten Skeptiker, dass diese relativ neue
Therapieform kein gutes Preis-Leistungsverhältnis hat und daher
unwirtschaftlich ist. Dies ist aber offenbar ein Irrtum.
Der
direkte Kostenvergleich der unterschiedlichen Therapieformen macht
nämlich nur dann Sinn, wenn die Anwendung aller verfügbaren Formen einer
Therapie für jeden Allergiker auch praktisch möglich ist. Eine
Spritzenbehandlung ist aber beispielsweise bei Spritzen-Phobikern
objektiv und subjektiv ebenso unmöglich, wie die Behandlung eines
Penicillin-Allergikers mit einem preiswerten Penicillin.
Außerdem kommt hinzu, dass es auch in Deutschland bei weitem nicht
genügend Allergologen gibt, um einen deutlich größeren Anteil der für
eine spezifische Immuntherapie in Frage kommenden Allergiker tatsächlich
mit der zeitaufwändigen SIT in Spritzenform zu behandeln. Ein
Kostenvergleich ist also nur zwischen den mit einer Impf-Tablette
zusätzlich zur medikamentösen Therapie behandelten Patienten und jenen
Kranken sinnvoll, die ihre Allergie ausschließlich mit symptomatisch
wirkenden Medikamenten behandeln lassen. Die subkutan durchzuführende
spezifische Immuntherapie (SCIT) hat sich seit vielen Jahren als
Kausal-Therapie als wirtschaftlich erwiesen – dies haben viele Studien
eindeutig gezeigt. Aufgrund der jetzt vorliegenden Studien-Ergebnisse
kann die gleiche Langzeitwirkung für die Anwendung einer Grastablette
angenommen werden. Dies insbesondere auch aufgrund des besseren
Nutzen-Risiko-Verhältnisses.
Doch es gibt auch
konkrete Untersuchungen zur Wirtschaftlichkeit der Anwendung
der Gräser-Impf-Tablette. Am Upper Airway Research Laboratory (URL), ENT
Department, University Hospital, Ghent, Belgium untersuchte eine
Arbeitsgruppe diese Frage und kam zu der klaren Aussage, dass es sich
unter pharmako-ökonomischen Gesichtspunkten um eine kosteneffiziente
Therapiemethode handelt - solange der Preis pro Tablette in einem
europäischen Land unter 6 EURO liegt. In Deutschland fallen aber pro
Tablette Kosten von weniger als 3 EURO an.
Tabletten sind Tropfen
überlegen
Betrachtet man alle derzeit verfügbaren
wissenschaftlichen Daten, so zeigt sich, dass eine oral durchzuführende
spezifische Immuntherapie (SLIT) selbst bei Heuschnupfen-Patienten, die
zusätzlich unter Asthma leiden, ohne Nebenwirkungen zu erzeugen gut
wirkt. Sie ist nach dem vom Arzt überwachten Therapiebeginn
nebenwirkungsarm im Patientenhaushalt durchzuführen und vermindert
deutlich den Bedarf an Begleit-Medikamenten. Erste Studien haben
gezeigt, dass die orale Form der Immuntherapie wahrscheinlich
mittelfristig gesehen bei den Patienten in der Lage ist, das
Asthma-Risiko abzusenken. Obgleich eine SLIT in Tablettenform teurer
als eine Immuntherapie in Tropfenform ist, spricht ein wichtiger Punkt
für die Anwendung einer Grastablette: selbst jüngere Patienten haben
nämlich Schwierigkeiten damit, sich die vom Arzt vorgeschriebene
Tropfenzahl vor dem Spiegel gezielt unter die Zunge zu träufeln. Die
Behandlung ist daher oft vom Zufall, bzw. der Tagesform des Patienten
abhängig. Im Gegensatz hierzu ist die Menge der in einer Grastablette
enthaltenen Graspollen-Allergene standardisiert und somit immer gleich.
Dadurch lässt sich die Behandlung ohne jeglichen Zusatzaufwand leicht
und zuverlässig steuern.
Fazit: die Therapie einer
Gräserpollen-Allergie mit Tabletten die jeweils in genormter Menge
Graspollen-Allergene enthalten ist wirksam, nebenwirkungsarm und
kosteneffizient durchzuführen. Sie eignet sich besonders für die
Mehrzahl der Graspollen-Allergiker, die die übliche
Standard-Immuntherapie (Allergiespritzen) ablehnen. Neue Studien
zeigten, dass die Behandlung auch bei Asthmatikern und kleinen Kindern
nebenwirkungsarm durchgeführt werden kann. Mittlerweile können
Allergiker, bzw. ihre behandelnden Ärzte unter mehreren angebotenen
Grastabletten auswählen. Da es keine
"Kopf-an-Kopf-Vergleichsstudien" gibt - und aufgrund der
Rahmenbedingungen der Allergietherapie vielleicht auch nie geben wird -
müssen die zugelassenen Grastabletten als prinzipiell gleichwertig
angesehen werden. Die Empfehlung eines spezifischen Arzneimittels
ist daher zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich.
Verglecj entsprechendes Präparat
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ÄRZTE
FÜR TIERE e. V. verfolgt zwei grundsätzliche Ziele:
den politischen Tierschutz und die Förderung
tiergestützter Therapieformen.
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Mit
der neuen Website StARS (Stray
Animal Rights Society)
engagiert
sich Ärzte für Tiere e.V. für die bisher
schutzlosen Straßentiere
und fordert die umgehende Verabschiedung eines
europaweit geltenden Tierschutzgesetzes.
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